Haareis

Während diesen Dezembertagen mit hoher Luftfeuchtigkeit findet man mit etwas Glück im Wald auf Totholz (Buche oder Eiche) wachsendes Haareis. Laut einer biophysikalischen Studie aus dem Jahr 2008 wird Haareis durch das Myzel winteraktiver Pilze ausgelöst. Das Wasser im Holz wird dabei vom Pilz an die Oberfläche verdrängt, und kommt dort zum gefrieren. Nachdrängende Flüssigkeit aus dem Holz sorgt für das Wachstum des Haareises. Wichtigste Voraussetzung für die Entstehung von Haareis sind Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt.

Quelle: www.wagnerger.ch/daten/Maetzler-Wagner.pdf

Kein Haiku

Es herrschen heisse Julitage. Wärmegewitter sind selten. Und wenn dann, am häufigsten noch in den Bergen. Unten in Bern ist es mir zu heiss, um in die Pilze zu gehen. Wenn ich aber irgendwo in der Stadt zu Fuss unterwegs bin, dabei an Parkanlagen vorbei gehe, schaue ich natürlich trotzdem immer links und rechts. So sind mir gestern einzelne Wurzelnde Bitterröhrlinge begegnet. Wie es der Name schon sagt, ein nicht essbarer Pilz. Aber ein blauender. Nur war dieser zu klein für ein Haiku…

Galerie des Glaces

Das Auffinden von Winterpilzen fällt dieses Halbjahr bisher schwer. Am ehesten finden sich hin und wieder ein paar Samtfussrüblinge. Die dienen ja immer wieder für schöne, weisse Sporenpulverabwürfe. Dem milden Januar wegen, waren auch einige für diese Jahreszeit untypische Pilze zu finden, so etwa der Nelkenschwindling.
Sonst aber gilt: nun folgen frostige Februartage und das Warten auf danach milde Tage und Nächte.

The Fungi Kingdom / 2014 – 2017

Zwergenwein

Ich hatte das Glück, letzten Samstag in einem Gebirgswald diesen Fliegenpilz anzutreffen, in den in der Nacht zuvor Regen gefallen war.

Regenwasser löst aus dem Fliegenpilzkörper die psychotropen Wirkstoffe (vor allem Ibotensäure und Muscimol). Dadurch entsteht eine schwach halluzinogen wirkende Flüssigkeit. Der Trunk ist als „Zwergenwein“ bekannt und hat eine leicht gelbliche Farbe.

In diesem Fall lag das Regenwasser maximal 10 Stunden im kelchartigen Pilz. Ich nahm zwei Schlücke des Wassers zu mir, und während etwa zwei Stunden war meine Wahrnehmung der Umgebung und der Dinge leicht schärfer und farbintensiver. Das Bewegen im Gelände ging leichtfüssiger und sanfter vor sich hin, gerade als ob ich über dem Boden ein paar Zentimeter schweben würde…