Haiku No. 64

Tauwetterlage –                                                                                                 blühender Hasel erweckt                                                                      konische Träume

Pilzregeln und praktische Winke

  1. Nur frische Pilze kochen, die man bestimmt kennt.
  2. Grösste Reinlichkeit im Zubereiten; gründliches, nur kurzes Waschen und gut trocknen.
  3. Wenn möglich Metallgeschirr vermeiden oder nur während der Kochdauer darin belassen.
  4. Das Verfärben beim Rüsten oder Kochen sind keine Merkmale, ob die Pilze giftig sind oder nicht.
  5. Aufzubewahrende Frischpilze kühl und trocken halten.
  6. Edelpilze eignen sich besser als Einzelgericht.
  7. Pilze, die sich leicht abziehen lassen, von der Oberhaut befreien. Bei älteren Pilzen Lamellen oder Röhren (Futter) entfernen. Morcheln und Lorcheln vorher abbrühen.
  8. Pilze mit weissen Blättern (Lamellen) und Röhrlinge mit rotem Futter oder rotem Stiel sind verdächtig.
  9. Pilze nicht in allzu grossen Mengen verzehren und gazeuse Getränke dazu vermeiden. Pilze nicht überkochen.

Die Beachtung dieser Pilzregeln ist dringend zu empfehlen; die Anwendung der Winke wird durch gutes Gelingen belohnt werden.

Aus „Neues Schweizerisches Pilzkochbuch“ von A.L. Müller, Chef de cuisine

3. Auflage, Verlag W. Krebser & Co. Thun, 1944

Sacred mushrooms

“There is a world beyond ours, a world that is far away, nearby, and invisible. And there is where God lives, where the dead live, the spirits and the saints. A world where everything has already happened and everything is known. I report what it says. The sacred mushroom takes me by the hand and brings me to the world where everything is known. It is they, the sacred mushrooms that speak in a way I can understand. I ask them and they answer me. When I return from the trip that I have taken with them, I tell what they have told me and what they have shown me.”

María Sabina (1894-1985), Mazatec shaman

Ueber Morcheln

Ueber Erscheinungszeit der Morcheln.

Morcheln sind, wie schon einleitend erwähnt, typische Frühlingspilze. Schon kurz nach der Schneeschmelze, besonders nach den ersten Frühlingsgewittern, sind die ersten Morcheln zu finden, in der Ebene unter günstigen Bedingungen schon Ende Februar, anfangs März bis Ende Mai, in Gebirgsgegenden von anfangs Mai bis Ende Juni. Ein allmählicher Uebergang vom Winter zum Frühling ohne starke Kälterückschläge, ohne grossen Temperaturwechsel ist der Entwicklung der Morcheln günstig, weniger günstig für die Entwicklung der Morcheln sind kaltes Frühjahr oder grosse Temperaturunterschiede. Dabei zeigt sich, dass die verschiedenen Morchelarten ihre bestimmte Entwicklungzeit streng innehalten. Ende Februar erscheint in der Ebene die Spitzmorchel, ihr folgt Ende März die Speisemorchel mit ihren Unterarten, den Schluss bildet die hohe Morchel.

Ueber Standort und Verbreitung der Morcheln.

Alle Morcheln verlangen zu ihrer Entwicklung Feuchtigkeit, Sonnen- wärme, Licht, besonders Morgensonne und durchlässigen, sandigen Boden. Wo sich diese Bedingungen vereinigt finden, treffen wir im Frühjahr sicher Morcheln an.

Die Spitzmorchel (Morch. conica Pers.), sowie die hohe Morchel (Morch. elata), beides ausgesprochene Gebirgspflanzen der subalpinen Wiesen und Nadelwälder, bevorzugen wie alle Morcheln lichte, besonnte, taureiche Stellen, mit subalpinem Klima, sandigen Aluvialboden, aber niemals sumpfige und saure Böden. Wir finden sie daher auf feuchten, aber geschützten Waldwiesen, in Tannenwäldern, Waldlichtungen, aber auch an Strassen und Flussufern mit sandig-lehmigem Erdreich, meist in Gesellschaft der Pestwurz. Im Waldinnern finden wir sie nur selten und dann nur an lichten Stellen wie Wegkreuzungen und Waldwiesen mit einzelnen Tannen. Morgensonne und windgeschützte Lage ist der Entwicklung förderlich, an Süd- und Westhängen findet sie sich in windgeschützten Mulden, Gräben und Schluchten. In der Ebene findet sich die Spitzmorchel in einer grösseren, helleren Form nur an feuchten Stellen mit subalpinem Lokalklima, also in geschützten Gräben und Schluchten, dagegen finden wir sie an Flussufern selten.“

Herr E. Habersaat spricht „Ueber Morcheln“ an der 138. Sitzung der Bernischen Botanischen Gesellschaft vom 8. Mai 1933.