Haareis

Während diesen Dezembertagen mit hoher Luftfeuchtigkeit findet man mit etwas Glück im Wald auf Totholz (Buche oder Eiche) wachsendes Haareis. Laut einer biophysikalischen Studie aus dem Jahr 2008 wird Haareis durch das Myzel winteraktiver Pilze ausgelöst. Das Wasser im Holz wird dabei vom Pilz an die Oberfläche verdrängt, und kommt dort zum gefrieren. Nachdrängende Flüssigkeit aus dem Holz sorgt für das Wachstum des Haareises. Wichtigste Voraussetzung für die Entstehung von Haareis sind Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt.

Quelle: www.wagnerger.ch/daten/Maetzler-Wagner.pdf

Mushroom’s mask

Lange war es still um den Mushroom Man. Es war ein sehr heisser und trockener Sommer. Es wuchsen keine oder kaum Pilze – die kreative Nahrung des Mushroom Man. Erst seit wenigen Wochen fällt hier und dort etwas Regen. Und in der Höhe werden die Nächte kühler und feuchter. Das fördert das Pilzwachstum und die Artenvielfalt nimmt langsam zu. Entlang von Wegen stehen zum Beispiel gruppenweise Schopftintlinge herum. Die einen beobachten mit ihren düsteren Augenpaaren …

Kein Haiku

Es herrschen heisse Julitage. Wärmegewitter sind selten. Und wenn dann, am häufigsten noch in den Bergen. Unten in Bern ist es mir zu heiss, um in die Pilze zu gehen. Wenn ich aber irgendwo in der Stadt zu Fuss unterwegs bin, dabei an Parkanlagen vorbei gehe, schaue ich natürlich trotzdem immer links und rechts. So sind mir gestern einzelne Wurzelnde Bitterröhrlinge begegnet. Wie es der Name schon sagt, ein nicht essbarer Pilz. Aber ein blauender. Nur war dieser zu klein für ein Haiku…

Im Reich der Spitzmorcheln

Am 12. März 2018 installiere ich eine Beobachtungskamera an einer Spitzmorchelstelle im Emmental. Jede Stunde, oder dann, wenn vor der Kamera eine deutliche Bewegung stattfindet, wird eine Fotografie ausgelöst. Bereits ist eine Morchel sichtbar.
Frisch gefallener Schnee am Morgen des 19. März lässt die Morchel deutlicher hervortreten.
24. März: Eine zweite Spitzmorchel hat sich dazugesellt.
28. März: Schwer erkennbar am rechten, äusseren Rand eine dritte Morchel.
Am 1. April erscheint eine vierte Spitzmorchel unmittelbar neben der ersten.
Im Streiflicht der späten Nachmittagssonne vom 5. April sind alle vier Spitzmorcheln gut erkennbar.
Zwei der vier Morcheln werden in der Nacht vom 7. auf den 8. April von Schnecken angefressen.
Ein Rotbrüstchen löst am 10. April die Kamera aus.
An Vormittag des 11. Aprils pflücke ich die in unmittelbarer Umgebung der Kamera wachsenden Spitzmorcheln (ca. 50 Stück). Auch diese beobachtete ich in ihrem Wachstum während rund 4 Wochen. Die Spitzmorcheln vor der Kamera lasse ich weiter stehen. Gleichtags, am Nachmittag, tritt eine andere, mir unbekannte Person (mit zwischen den Füssen herunterhängender Hundeleine) vor die Kamera und löst dieses Bild aus.
Die unmittelbar nächste Fotografie, die knapp eine Stunde später gemacht wird, zeigt, dass die zwei zuvor noch intakten Morcheln nicht mehr da sind. Was ich nicht weiss ist, ob die beiden Morcheln von der Person (oder dem Hund) umgestossen oder gepflückt (oder gefressen) wurden. Die Kamera jedenfalls wurde scheinbar nicht gesehen, oder zumindest nicht angefasst.
Was noch übrig bleibt von der einen Spitzmorchel wird langsam weggefressen (14. April).
Am 20. April, ein Tag vor dem Abbau der Kamera, ist von der Spitzmorchel beinahe nichts mehr zu sehen.

 

 

Samstag, 31. März 2018

In der Nacht zuvor schneite es bis unter 800 MüM. Da die meisten Spitzmorcheln aber an von Bäumen geschützten Stellen wachsen, hatte ein Bild wie dieses Seltenheitswert.
Also kam es so, dass ich an diesem Tag gesamthaft 25 Spitzmorcheln sammeln konnte. Unzählige weitere liess ich ihrer geringen Grösse wegen stehen. Die sollten mit den nun steigenden Temperaturen noch wachsen können, wenn sie nicht vorher von den Schnecken gefressen werden. Ausserdem zum ersten Mal entdeckt und gesammelt: Bachkresse.

 

 

Galerie des Glaces

Das Auffinden von Winterpilzen fällt dieses Halbjahr bisher schwer. Am ehesten finden sich hin und wieder ein paar Samtfussrüblinge. Die dienen ja immer wieder für schöne, weisse Sporenpulverabwürfe. Dem milden Januar wegen, waren auch einige für diese Jahreszeit untypische Pilze zu finden, so etwa der Nelkenschwindling.
Sonst aber gilt: nun folgen frostige Februartage und das Warten auf danach milde Tage und Nächte.